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Womb & Voice – Die Verbindung von Stimme, Schoßraum und weiblicher Lebendigkeit

Sindy
4. Sept.
6 Min. Lesezeit

Vielleicht kennst du das: Du möchtest etwas sagen, doch kurz bevor die Worte deine Lippen erreichen, hältst du inne. Du schluckst es herunter, lächelst darüber hinweg oder findest schnell einen Grund, warum es gerade nicht der richtige Moment ist.


Und während du dich nach außen anpasst, reagiert dein Körper. Die Kehle wird eng, der Kiefer spannt sich an, der Atem wird flacher. Vielleicht ziehst du unbewusst den Bauch ein oder hältst auch im Becken etwas zurück. Unser Körper hat längst verstanden, was wir noch versuchen zu übergehen. Und genau hier beginnt die Verbindung von Schoßraum & Stimme – Womb & Voice

Deine Stimme hat mehr mit deinem Schoßraum zu tun, als du vielleicht denkst. Denn Stimme ist nicht nur das, was aus deiner Kehle kommt. Sie ist Ausdruck davon, wie frei du dich fühlst, wie sehr du deinem Körper vertraust und ob du dir erlaubst, mit dem, was in dir lebendig ist, Raum einzunehmen.


Ich möchte dich einladen, diese Verbindung wieder zu entdecken.


Zwischen Kehle und Becken, zwischen Stimme und Körper, zwischen dem, was du tief in dir spürst, und dem, was du in deinem Leben zum Ausdruck bringst. Die Kehle und der Schoßraum liegen anatomisch voneinander entfernt. Und doch sind sie über verschiedene Strukturen miteinander verbunden.


Eine Verbindung, die tiefer reicht

Schon während unserer embryonalen Entwicklung entstehen Strukturen, die später unseren Mund- und Rachenraum ebenso wie unseren Verdauungs- und Fortpflanzungstrakt bilden, aus eng miteinander verbundenen Entwicklungsprozessen. Die Idee, dass Kehle und Schoßraum völlig voneinander getrennte Welten sind, beginnt deshalb bereits auf dieser Ebene zu bröckeln.


Auch später bleiben die Bereiche über verschiedene Körpersysteme miteinander in Beziehung.

Besonders spannend ist dabei das Zusammenspiel von Stimmlippen, Zwerchfell und Beckenboden. Für unsere Stimme brauchen wir Atem. Das Zwerchfell verändert mit jedem Atemzug den Druck und die Bewegungsverhältnisse in unserem Rumpf, während der Beckenboden auf diese Veränderungen reagiert. Beim Sprechen, Singen, Tönen, Lachen oder Seufzen ist deshalb nicht nur unsere Kehle beteiligt. Der ganze Rumpf wird Teil des Ausdrucks.


Dazu kommt unser Fasziensystem. Die tiefen faszialen Strukturen des Körpers sind wie ein großes Netz verwoben. Über die sogenannte Tiefe Frontallinie sind unter anderem Beckenboden, Zwerchfell, Kehlkopf und Zunge miteinander in Kontakt.


Hinzu kommt, dass diese Bereiche durch den Vagusnerv (10. Hirnnerv) beeinflusst werden. Dieser verläuft vom Gehirn über den Hals (Kehlkopf) hinab bis tief in den Bauch- und Beckenraum. Da er das Hauptzentrum unseres parasympathischen (entspannenden) Nervensystems ist, reagieren sowohl der Beckenboden als auch der Kehlkopf extrem sensibel auf Stress, Angst oder Erleichterung. Ein entspannter Kiefer und weit geöffnete Stimmlippen signalisieren dem Beckenboden reflektorisch, ebenfalls loszulassen.


Vielleicht kennst du de sogar aus deinem eigenen Körper. Wenn du den Kiefer festhältst, verändert sich oft auch dein Atem. Wenn du den Atem anhältst, verändert sich deine Körperspannung. Und wenn du dich beim Sprechen zurückhältst, kann sich die ganze Vorderseite deines Körpers enger anfühlen.


Probiere es einmal kurz aus: Beise deine Zähne aufeinander und spanne deinen Kiefer an. Bemerkst du, was sich alles in deinem Körper verändert und wo es fest und eng wird? ...


Zwei Zentren - so viele Parallelen



„The good girl“ sitzt nicht nur im Kopf

Vielleicht hast du schon mal eine dieser Situationen erlebt … Du sagst zu, obwohl du eigentlich Nein meinst. Du hältst aus, obwohl etwas in dir längst gehen möchte. Du machst dich kleiner, damit es für alle anderen angenehm bleibt. Du hältst deine Stimme und deine Wahrheit zurück. – Das machst du nicht zufällig.


Frauen wurden über Generationen dazu erzogen, sich anzupassen. Lieb zu sein. Nicht zu viel zu sein. Nicht zu laut zu werden. Die eigene Wut herunterzuschlucken und die Bedürfnisse anderer oft wichtiger zu nehmen als die eigenen.

„The good girl“ weiß, wie man funktioniert.


Diese Muster wurden und werden uns früh vermittelt – durch Familie, Beziehungen, gesellschaftliche Erwartungen und die Bilder davon, wie eine „gute“ Frau zu sein hat. Wenn wir immer wieder erfahren, dass Lautsein unerwünscht ist, kann Zurückhaltung irgendwann ganz selbstverständlich werden, um sich sicher fühlen zu können. Frauen wurde beigebracht, ihre Stimme leise zu halten, ihre Wut zu schlucken und sich von den natürlichen Rhythmen ihres weiblichen Körpers zu distanzieren. Und auch wenn heute vieles im Wandel ist – schwingt es doch in vielen von uns und der Gesellschaft weiter mit und ist tief in unseren Körpern verankert.


Was geschieht, wenn wir unsere Stimme wieder freigeben?

Die eigene Stimme zurückzuholen bedeutet nicht unbedingt, lauter zu werden. Das kann auf ganz anderer Ebene geschehen ... Vielleicht erlaubst du dir zum ersten Mal, einen Ton wirklich aus deinem Körper heraus entstehen zu lassen. Vielleicht bemerkst du, wie ungewohnt es sich anfühlt, Raum mit deiner Stimme einzunehmen. Vielleicht kommt dabei Wut. Vielleicht Trauer. Vielleicht Freude oder ein Gefühl von etwas, das du lange nicht mehr gespürt hast.


Eine freie Stimme verändert nicht nur den Klang, sondern auch unsere Körperwahrnehmung und wie wir uns selbst erleben. Der Atem wird weiter. Der Kiefer darf weicher werden. Der Brustraum bekommt mehr Raum. Das Becken kann sich wieder bewegen. Und manchmal entsteht dadurch eine ganz neue Aufrichtung und ein Gefühl von Selbstvertrauen und Kraft, das nicht hart, sondern tief und lebendig ist.


Deine Stimme ist ein Teil deiner Lebendigkeit

Wenn Kehle und Schoß wieder miteinander in Beziehung kommen, weit und weich werden und schwingen, kann etwas von deiner ganz ursprünglichen Lebendigkeit zurückkehren.

Dein Körper möchte sich bewegen, dein Becken vielleicht in Wellen fließen, dein Atem tief und leicht zugleich schwingen. Diese Freiheit, Leichtigkeit und spielerische Freude, die schon immer in dir geschlummert haben, finden wieder Ausdruck. Du nimmst deine Bedürfnisse, Grenzen, deine Wahrheit und deine Lust war – und kommunizierst sie!


Dein Schoßraum und deine Kehle kannst du so als zwei intime Räume von Ausdruck, Krativität, Lust und liebevollen Grenzen verstehen.

Your voice. Your body. Your power.


Womb & Voice – aus yogischer Sicht

Auch im Yoga lässt sich die Verbindung von Womb & Voice auf energetischer Ebene erfahren: Das Wurzelchakra, das im Becken verortet ist, steht für Erdung und Verkörperung, das Sakralchakra im Unterbauch für Lust, Kreativität und Lebensfluss – und das Halschakra für Stimme, Ausdruck und Wahrheit. Was tief im Becken gespürt wird, darf über die Kehle seinen Ausdruck finden. Yoga, Atem und Tönen können dabei helfen, diese Verbindung wieder bewusst zu erleben: vom Spüren im Schoßraum über das freie Fließen des Atems bis hin zum hörbaren Ausdruck deiner Stimme.


Der Weg zurück in den Körper

Diese Lebendigkeit und Ausdruck erfahren wir nicht allein über den Kopf. Wir können darüber lesen und verstehen, woher bestimmte Muster kommen. Aber wirkliche Veränderung beginnt oft erst in dem Moment, in dem der Körper eine neue Erfahrung machen darf.


Somatische Körperarbeit kann dafür einen wertvollen Raum öffnen. Durch feine, bewusst wahrgenomme Bewegung wecken wir unser Spürempfinden und können wahrnehmen, wo wir halten und wo wir bereits loslassen können. Mit Hilfe des Atems können wir Raum und innere Weite erleben. Durch unsere Stimme, Tönen und Vibration können wir erforschen, wie es sich anfühlt, Klang nicht nur aus der Kehle, sondern aus der tiefe unseres Beckens entstehen zu lassen.

Auch die Arbeit mit dem Beckenboden darf dabei sanfter werden. Nicht immer geht es um mehr Kraft. Manchmal geht es darum, wieder zwischen Anspannung und Entspannung unterscheiden zu können und dem Becken Raum für Bewegung zu geben.

So entstehen nach und nach mehr Körperbewusstsein, Freiheit, Selbstvertrauen und so viel mehr ...

Und mit diesem Bewusstsein wächst auch die Möglichkeit, früher zu spüren, wann etwas ein echtes Ja ist – und wann wir wieder dabei sind, uns selbst zu verlassen.


Zwei einfache Übungen, die du direkt ausprobieren kannst

Summen & Schoßraum (3 - 5 Minuten)

Setze oder lege dich bequem hin. Eine Hand liegt auf deinem Schoßraum, die andere auf deiner Kehle. Atme ruhig durch die Nase ein. Beim Ausatmen beginne sanft zu summen. Spüre die feine Vibration in deinem Gesicht, deiner Kehle und deinem Brustraum und lenke deine Aufmerksamkeit gleichzeitig nach unten in dein Becken. Wiederhole einige Atemzüge lang und beobachte, ob sich irgendwo etwas weicher oder weiter anfühlt.


Kiefer loslassen, Becken spüren (2 - 3 Minuten)

Schließe die Augen und lass deinen Unterkiefer locker. Gähne bewusst, seufze und bewege den Kiefer langsam nach rechts und links. Spüre anschließend deinen Beckenboden und deinen Schoßraum. Atme tief und ruhig weiter und beobachte, ob sich mit dem Loslassen des Kiefers auch im Becken etwas verändert. Es geht nicht darum, etwas erzwingen zu wollen – sondern wahrzunehmen.


Womb & Voice bei soulful movement

In meiner Arbeit verbinde ich Somatic Movement, Yoga, Atem- und Körperarbeit, um Frauen wieder in einen tieferen Kontakt mit ihrem Körper und ihrem eigenen Ausdruck zu begleiten.

Wenn dich die Verbindung von Womb & Voice, Stimme, Beckenboden, Schoßraum und weiblicher Lebendigkeit ruft, findest du meine aktuellen Angebote – die ich gerne auch in Zusammenarbeit mit anderen Stimmtherapeutinnen anbiete – auf meiner Website.


Es ist Zeit, deine Stimme nicht länger leise und klein zu machen. Es ist Zeit, sie wieder nach Hause zu holen.





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